Du kennst mich ja schon ziemlich gut, aber für alle anderen Leser, möchte ich mich mal offiziell vorstellen:
Ich bin der Tobias. Zusammen mit meinen Eltern wohne ich in Tirol. Wenn wir spazieren gehen, sagt mein Papa: „Sieh dir nur die große, weite Welt von Fritzens an!“ und das mache ich dann auch begeistert. Hier gibt es grüne Wiesen, braune Kühe und manchmal treffen wir sogar andere Menschen.
Besonders beim Babytreff sehen wir oft andere Menschen. Vor allem die kleinen. Einmal wöchentlich geht meine Mama mit mir ins Kinder-und-Jugendzentrum, wo wir uns mit anderen Kindern und deren zugehörigen weiblichen Erwachsenen treffen. Wir trinken Kaffee, spielen zusammen und verteilen geschickt Kuchenkrümel im ganzen Raum.
Hier sehe ich auch die Anna. Als ich Anna kennengelernt habe, war sie fast doppelt so alt wie ich – Schon ein ganzes Jahr. Ich habe mich sofort in sie verliebt. Irgendwann, als ich gerade mit einem bunten Ball spielte, kam sie zu mir rüber gekrabbelt, nahm meinen Kopf in die Hände und gab mir einen leidenschaftlichen Kuss auf die Stirn. Ich war perplex und wusste gar nicht, was mit mir geschehen war. Während ich Anna noch mit Glubschaugen anstarrte und die feuchte Stelle an meinem Kopf betastete, schnappte sich meinen Ball und krabbelte damit zu Benjamin. Dann spielten sie zusammen und ich rief meine Mama, um mich über den Verlust meiner großen Liebe und meines bunten Balles hinweg zu trösten.
In meiner österreichischen Familie habe ich außerdem noch eine Tante und einen Onkel. Die Tante, das bist du, und du strickst mir immer schöne Sachen. Eine flauschige Decke, eine flauschige Haube und einen flauschigen Pullover, an dem Hundehaare ganz besonders gut anhaften, wenn ich damit bäuchlings über den Wohnzimmerboden flitze. Du kannst super Grimassen schneiden und ich habe immer viel zu lachen mit dir. Onkel Fritz habe ich erst später kennengelernt und mich schon sehr auf ihn gefreut. Endlich stand er vor mir, winkte kurz und sagte „Hallo“. Um meiner Freude Ausdruck zu verleihen und als Zeichen meiner Zuneigung kotzte ich ihm vor die Füße. Meine Mama hat dann schnell einen Fetzen zum Aufwischen geholt und mich Onkel Fritz zum Halten gegeben. Das tat er dann auch, mit weit von sich gestreckten Armen und einem leicht verzweifelten Gesichtsausdruck, bis meine Mama mich wieder genommen hat. Ich mag Onkel Fritz.
Onkel Fritz hat auch eine Freundin. Eine Deutsche. Sie heißt Antje. Tante Antje, also. Aber um Buchstaben zu sparen, nennen wir sie einfach Tantje.
In Graz gibt es auch noch einen Onkel, den Onkel Oliver. Wir nennen ihn Ohoh… Das passt besser zu ihm.
Ich glaube jetzt weiß mal jeder Bescheid über unsere Familienverhältnisse. Liebe Dorisnèni, wir freuen uns schon sehr, wenn wir dich endlich besuchen kommen! Mama hat gesagt, ich muss auch meinen selbstgestrickten Pullover mitnehmen, damit du siehst, wie gerne und oft ich ihn trage. Also, bis bald,
dein Zwergenkönig









